Sag mal, Lara | Teil 21

zurück zum Anfang; Sag mal, Lara auf Schwatz Katz
zurück zu Teil 20; Sag mal, Lara auf Schwatz Katz

Gegen halb zwölf leerte sich die Galerie, und die Cateringangestellten begannen abzubauen. Irina und Gordon waren gegangen, Renate saß hinter dem Buffet auf einem Hocker und versuchte das zu tun, was sie einen Blitzschlaf nannte. Carolina klopfte angeblich noch einen Deal glatt.
Auch Kai war noch da. Er stand irgendwo weiter hinten allein an der Wand. Dort machte er sich wohl erfolgreich vor, nicht »zu diesen Leuten« zu gehören. Wie Recht er doch damit hatte. Lara lachte bitter, nahm sich das letzte Glas Champagner von einem umherstehenden Tablett und sah auf die Straße hinaus.
»Ein gelbes Kleid hätte ich ja nicht erwartet.«
Sie fuhr herum. Da stand er also, eine Hand in der Hosentasche, in der anderen eine grünwandige Flasche Bier.
»Ich habe auch nicht erwartet, heute jemanden Bier trinken zu sehen«, antwortete Lara spitz.
»Schmeckt auch nicht«, gab er zurück, seine Miene versteinert, »moderner Quatsch.«
Sie schwiegen eine ganze Weile, schauten sich nicht an.
Dann holte er Luft. »Hättest mir ja auch gleich sagen können, dass ich dir unangenehm bin, hätte ich mir die Scheiße hier auch sparen können.« Er zeigte mit der Flasche in der Hand vage um sich.
»Du findest meine Kunst also scheiße…«, presste Lara aus trockener Kehle hervor. Tief drinnen wusste sie genau, dass er das nicht meinte. Nur was meinte er denn?
»Habt ihr euch also schon kennengelernt!« Das war Carolina, flötend. Ihre Hände legte sie von hinten auf Kais Schultern, den Kopf stützte sie auf ihren rechten Handrücken.
Wieder der Stich. Kais Augen brannten in ihren. »Du warst mir nicht unangenehm – bis jetzt«, sie schaute wieder zur Straße.
»Und warum hast du mich dann nicht begrüßt?« Seine Stimme war lauter geworden. »Du hast mich gesehen, als ich rein kam, aber nichts! Du hast weg geschaut!« Er war näher gekommen, hatte Carolina einfach abgeschüttelt.
Lara wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Ihr Mund stand offen, in der Rechten hielt sie das Glas Champagner wie einen Fremdkörper. »Aber… ich dachte….«
»…dass ich dir hinterher laufe?«, beendete er sarkastisch den Satz. Er stieß Luft durch die Zähne, schüttelte den Kopf, trank ungeschickt. »Und siehe da, der kleine Hund ist ja auch zu Frauchen gekommen. Schau mich an, hier steht der Idiot!« Er spreizte seine Arme.
Carolina hatte sich inzwischen verzogen. Lara hoffte, ohne Publikum fiele ihr etwas zu sagen ein, aber es wollte nicht klappen. Die Situation war einfach zu absurd. Also trank sie einen Schluck, nur damit das Glas in ihrer Hand nicht so unecht wirkte.
Das trieb ihn wohl zur Weißglut. Er feuerte die halb getrunkene Bierflasche in eine Ecke, brüllte »Fuck!« wie im amerikanischen Spielfilm und ging zur Tür.
Lara versuchte ihn aufzuhalten. »Ich habe doch gar nicht gewollt, dass du mir hinterher rennst, ich dachte…«
Er blieb stehen, drehte sich angriffslustig um. »Was dachtest du, Gräfin von Morgenstern?«
Das tat weh. »Ich dachte ehrlich gesagt, ich sei dir peinlich…«, sie zeigte auf Sushi-Roll und zupfte am Kanarienkleid, »…oder so?« Hoffentlich hatten alle anderen was zu tun und sahen sich das hier nicht an.
Kais Körper entspannte sich. Er trat einen Schritt auf sie zu. »Wie könntest du jemandem peinlich sein?«

***

Die ganze Taxifahrt über – von der Galerie in der Auguststraße bis zu Laras Wohnung in der Husemannstraße waren es um diese Uhrzeit keine zwanzig Minuten – sprachen sie nichts. Sie saßen auf dem Rücksitz, die Seiten ihrer Oberschenkel aneinander gepresst, die Hände verschränkt und hatten einen Kloß im Hals. Teils wegen der bevorstehenden Aussprache, in Laras Falle aber noch mehr aufgrund der anschließenden Versöhnung. Man sah so was ja oft genug in Filmen.
Das Taxi hielt vor der vertrauten Tür, weit und breit niemand auf der Straße. Kai bezahlte den Fahrer, stieg aus und half Lara heraus.
Sie küssten sich an Ort und Stelle bis der Motor des fahrenden Wagens um die Ecke verschwunden war. Lara schämte sich ein bisschen, zog Kai zur Tür und sperrte auf. Drinnen, im dunklen Durchgang, küssten sie sich noch einmal. Diesmal fordernder. Da wusste sie sicher, dass es nicht anders ging. Sie würden es tun, noch vor der Aussprache. Es half auch nicht vorzugeben, den Wohnungsschlüssel nicht zu finden, seine Hand war sowieso schon unter ihrem Kleid, wenn auch bisher nur an erlaubten Stellen. Er wäre sicher vorsichtig, keiner, der direkt loslegt, ganz bestimmt zärtlich…, auch wenn sein Körper sich derzeit eher alarmierend benahm.
Sie haben es schließlich nicht getan. Jedenfalls nicht an dem Abend. Nur fast. Einmal in der Badewanne – fast – und noch einmal kurz vorm Einschlafen – fast doch, beide Male wendete sie es kurz davor ab. War gar nicht so schwer. Richtig ernst wurde es aber beim Aufwachen am Samstagmorgen. Aber da fand Lara es gar nicht mehr so schlimm. Es gestaltete sich ganz natürlich, Kai war tatsächlich vorsichtig – er hatte sogar Kondome dabei – und er fragte auch nicht groß nach. Alles ganz normal, nur er beim Frühstück ziemlich still, in Gedanken. Später dann, am Nachmittag als Martin Jonas brachte, wieder locker, schwatzhaft. Immer wieder an ihrer Seite, küssend.
Jonas machte vielleicht Augen! Und Lara war glücklich.

***

Martin hatte sich angeboten, Jonnie zu der Dicken zu bringen, damit Jackie sich währenddessen anziehen konnte. Die Klamotten, die sie extra für diesen Abend gekauft hatte – einen schwarzen knappen Trägerrock über einem rot, weiß und schwarz gestreiften Rolli und passenden schwarz-weißen Ringelstrumpfhosen – hingen frisch gewaschen neben ihr über einem Stuhl. Den Rock hatte sie zuvor sogar gebügelt, damit er fast wie auf dem Foto aussah, das Jackie sich vor einigen Wochen bei Lara von Edie Sedgwick ausgedruckt hatte.
Nachdem sie fertig geschminkt war – die Augen so dunkel und die Wimpern so verklebt wie möglich – zog sie die ebenfalls neuen strumpfengen und über Knie hohen, schwarzen Lackstiefel an, die sie für wenig Geld in einem der Schuh-Discounter im Ring Center ergattert hatte. Hoffentlich würde sie darin laufen können. Wenn nicht, auch egal, Jackie konnte viel Schmerz wegstecken.
In der Haustür drehte sich ein Schlüssel, Martin war also wieder zurück. Mit einem letzten Blick in den Spiegel begutachtete Jackie die Kopie, die sie selbst erschaffen hatte und lächelte. Sie war das Factory-Girl, kein Zweifel.
Mit dem gleichen Lächeln trat sie auf den Flur hinaus und präsentierte sich ihrem Freund. Zuerst sah er sie verstört von oben bis unten an, dann grinste er.
»Miss Sedgwick, sie sehen echt gut aus!« Er umarmte sie. In letzter Zeit hielt er sie nicht mehr so fest wie früher. Sie schob es auf die Nervosität vor dem bevorstehenden Trip, mit dem sie in ihren Geburtstag hineinfeiern würden.
»Findest du?«, fragte sie nur damit er das Kompliment wiederholte. Nachdem er genickt hatte, küsste sie ihn stürmisch. »Willst du noch mal, bevor wir fahren?«, fragte sie dann mit der Hand an seiner Hose. Sie spürte keine Regung.
Martin machte sich los und schob auch ihre Hand fort. »Später«, antwortete er und ging in die Küche hinüber zu dem Schrank, in dem sie das Glas mit den Pilzkapseln aufbewahrten. Nachdem sie getrocknet waren, hatte er die Teile zermahlen und sich die Mühe gemacht, das Pulver in Gelatinekapseln aus der Apotheke zu füllen. Auf diese Weise konnte man die Pilze angeblich besser dosieren und entging ihrem widerlichen Geschmack.
Martins Armyrucksack stand offen auf den Küchentisch. Der Inhalt bestand heute weniger aus Schulsachen. Er hatte eine Flasche Sekt gekauft, um mit Jackie auf ihren Geburtstag anzustoßen. Daneben lagen eine Tafel Schokolade, Gummibärchen, genug Kondome für zwei Tage, ein Kartenspiel, bunte Jonglierbälle, Martins MP3-Player und jede Menge Zeichenutensilien.
Jackie schaute ihm zu, wie er das Glas mit den Kapseln ebenfalls im Rucksack verstaute. »Ganz schön viele Malsachen haste dabei«, stellte sie fest, doch als Martin die Augen verdrehte, biss sie sich auf die Zunge. »Sorry, ich meinte ja nur«, und damit er ihr nicht böse sein konnte, lief sie um den Tisch und umarmte ihn.
Er erwiderte die Geste nicht. »Ich habe mich eben gut vorbereitet auf meine kleine Erleuchtung«, und dann zu ihr gewandt, »hast du das Buch gelesen, das ich dir gegeben hatte?«
Jackie errötete. Sie hatte es nicht gelesen. Sie erinnerte sich nicht mal an den Titel. »Ach, ich hab auch vorm ersten Mal keins gelesen und es war geil«, wiegelte sie ab und lachte gekünstelt.
Martin schüttelte den Kopf. »Nimm deinen Mantel, wir müssen los, der Zug geht um fünf.«
Jackie gehorchte und fühlte sich schlecht. Als sie ihren Mantel aus dem Schlafzimmer holte, dachte sie kurz daran, besagtes Buch einzustecken. Sie ließ es sein, so schnell konnte sie es sowieso nicht durchlesen. Wenn sie wenigstens wüsste, von wem es war.
Die Fahrt mit der Tram und schließlich mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof verlief ohne besondere Vorkommnisse, zum Reden war Martin nicht aufgelegt, also schaute Jackie aus dem Fenster. Als Martin dann im Zug nach Seddin seinen MP3 Player aufzog und die Augen schloss, machte Jackie sich langsam Sorgen, sagte aber nichts und beobachtete, wie die Stadt zuerst immer lichter wurde und schließlich ganz verschwand.

***

Es war der erste kalte Samstag des Winters, bestimmt unter null Grad, am Abend wurde es nur noch schlimmer. Laut den Voraussagen sollte sich daran nicht so bald etwas ändern. Aber das war Kai Kubitsch egal. In seinem Herzen war es warm, sehr warm sogar, so warm, dass er beim Gedanken daran dämlich vor sich hingrinste.
Die undurchsichtige Lara Morgenstern hatte es ihm von Anfang an angetan, das konnte er jetzt offen zugeben. Wie hatte er sich gewunden, weil sie ihm nicht ideal erschien, wie hatte er gehofft, sich von blonden Mädchen verwöhnen lassen zu wollen. Nichts von alldem ist passiert. Er hat sich verknallt und zwar nicht zu knapp! In eine Reiche! Unglaublich.
Aber es gab da eine Sache, die er nicht aus dem Kopf brachte und jetzt, allein in der Tram nach Hause, um frische Klamotten zu holen, ließ sie ihn nicht mehr los.
Die überheizte M10 zuckelte hinunter zum S- und U-Bahnhof Warschauer Straße. Kai starrte gedankenverloren aus dem Fenster als ihm jemand auf die Schulter klopfte.
»Hey Alter«, grinste eine Zahnlücke. Es war Lorenz, der junge Gitarrist seiner Ex-Band, »is ja geil dich hier zu treffen!«
Kai rieb sich das Gesicht, schüttelte seine Gedanken fort und orientierte sich. Grünberger Straße durch, das passte.
»Gehn wa einen trinken?« Lorenz, in Steppjacke und Mütze, die kaum über seine Lockenpracht passte, hatte sich gegenüber gesetzt und schaute sich ab und zu suchend um, immer auf der Hut.
»Hast wohl keinen Fahrschein«, neckte Kai und klopfte ihm auf die Schulter. »Ich finds auch geil, dich zu sehen.«
Lorenz bewegte seinen gesamten Oberkörper für ein Nicken, das Kai an Schwarze erinnerte. »Hab dich von außen gesehen, Alter, dachte, ich spring ma rein.«
Kai grinste und erhob sich. »Lass uns einen trinken.«
»Haste Kippen?«
Kai lachte laut. »Klar!«. Er hatte Lorenz echt vermisst.
Sie mussten von der Revaler Straße aus ein Stück zurückgehen, um dahin zu kommen, wo es sie unausgesprochen hinzog. Genug Zeit, um sich über die alte Band und ihre Mitglieder lustig zu machen und sich gegenseitig ins Bild zu setzen, was man selber gerade so trieb.
Das war in Lorenz Fall nicht gerade viel, er trug sich mit dem Gedanken, sich bei der Musikhochschule zu bewerben. Kai bezweifelte, dass er das tat, redete ihm aber zu.
»Und du, Alter, trägst jetzt feinen Zwirn oder was?«. Lorenz zupfte an Kais Ärmel.
Kai winkte ab. »Nein, der is noch von gestern Abend, ich war auf einer Vernissage in Mitte.«
Lorenz ließ ein langgezogenes »Aha« verlauten. »Schließe daraus, du hast eine geknallt, was?«
Kai verstand, hob abwehrend eine Hand. »So würde ich es jetzt nicht bezeichnen, aber ja, ich bin mit ihr nach Hause.«
Lorenz grinste. »Letztlich doch dit gleiche, oder?«
Sie gingen zu ihrer ehemaligen Stammkneipe, rauchten Kais Zigaretten und tranken Bier. Köpi, die Bedienung, erkannte sie unter Garantie, ließ sich aber nichts anmerken. Aas!
Nach einer Weile wurde Kai redselig. Das Bier lockerte seine Zunge. Er bestellte Erdnüsse dazu, wollte den Gedanken, der ihn beschäftigte nicht ausgerechnet vor Lorenz ausbreiten. Andererseits wieso auch nicht. Vielleicht war ein Außenstehender ja die einzig richtige Wahl?
»Hast Du mal eine entjungfert?«, brach es plötzlich aus ihm heraus, verwundert und gleichzeitig froh darüber, es laut ausgesprochen zu haben.
Lorenz schaute ihn mit großen Augen an. »Nicht mehr die letzten zwei Jahre. Du etwa?«
Kai zuckte mit den Achseln, »deshalb frage ich«, und nahm einen großen Schluck.
»Die, die du letzte Nacht geknallt hast?«
Wieder Achselzucken. »Erinnerst du dich, wie das war?« Er nahm noch eine Zigarette.
Lorenz überlegte. »Widerspenstig eben.«
»Was?«
»Na ja…, da flutschste halt nicht so einfach rein wie sonst.«
Köpi schaute in ihre Richtung, Kais Glas war leer. »Ich frag sie einfach.« Er zahlte für sie beide und verabschiedete sich kurz darauf.

***

Das Ferienhaus von Martins Eltern lag am Ende eines sehr kleinen Ortes am Seddiner See. Vom Bahnhof bis dorthin fuhr nicht mal ein Bus, und sie mussten sich ein Taxi nehmen. Weil er ein schlechtes Gewissen hatte, lud Martin Jackie ein. Sie lächelte dankbar und nahm an.
Seine Mutter hatte ihm angeboten, ihn und Jackie her zu fahren, er hatte abgelehnt. Sie wollte ja bloß »seine Freundin« kennenlernen und wäre womöglich noch auf den Gedanken gekommen Essen zu machen. Dafür hatte er nicht gefastet. Die Pilze kamen besser, wenn der Magen leer war und man nur Kekse oder Schokolade aß, nachdem man sie eingenommen hatte.
Während der ganzen Taxifahrt presste Jackie sich wie ein siamesischer Zwilling an ihn. Sie spürte also, dass etwas nicht stimmte. Martin beugte sich einer Welle aus Anteilnahme und küsste ihr Haar. Sie grub sich noch dichter in ihn. Auch er hielt sie jetzt fester. Er hatte sich geschworen, ihr den schönsten Geburtstag von allen zu bescheren, und er gehörte nun einmal zu dem Geschenk.
Als sie bei dem kleinen, roten Haus ankamen, konnte er nicht umhin, Jackie dessen Geschichte zu erzählen. Seine Eltern hatten es nach der Wende erworben und nach und nach für ihre Zwecke umgebaut. Aus dem Dachstuhl war ein Atelier für Martin geworden. Einen Teil der letzten Sommerferien hatte er alleine hier verbracht, um zu malen, sich inspirieren zu lassen. Einige seiner besten Skizzen waren dort oben entstanden. All das sprudelte jetzt aus ihm heraus, während Jackie nur unsicher von einem Fuß auf den anderen wackelnd dastand und wartete, dass er endlich aufschloss.
Drinnen war geheizt und auf dem nüchternen Chromtisch, den man vom Eingang aus sehen konnte, stand ein Strauß Blumen neben einer Flasche Champagner mit zwei Gläsern. Daneben lag ein Zettel auf dem bloß Mama stand.
Martin, peinlich berührt, ließ ihn verschwinden. Jackie stand neben ihm und hatte Tränen in den Augen. »Was ist?«, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf, »nix«, antwortete sie.
Dabei beließ er es und ging dazu über, ihr die einzelnen Zimmer zu zeigen, damit sie sich später, auf Pilzen, zurecht finden würde. Unten gab es nicht viel zu kennen, das Erdgeschoss bestand nur aus einer modernen Küche mit vielen Chromteilen, die Jackie, wie sie sagte, an einen Operationssaal erinnerten, einem Esszimmer, in dem der Tisch mit den Blumen und dem Champus darauf stand, sowie ein offenes Wohnzimmer mit Panoramafenstern, die auf die Terrasse am See zeigten. Auf dem Gang zur engen Treppe in den zweiten Stock, befand sich außerdem noch ein winziges Gästeklo.
Oben gab es ein richtiges Badezimmer mit Wanne, Dusche, zwei Waschbecken und Toilette. Es war vom Gang ebenso wie vom angrenzenden Schlafzimmer aus begehbar. Dort erwartete die beiden die zweite Überraschung, die Martin peinlich war. Das Bett war rot bezogen und die Decken einladend zur Seite geschlagen.
Diesmal musste Jackie nicht weinen, sie grinste, lief um das Bett und ließ sich hineinfallen. »Deine Mutter weiß wo’s lang geht, was?« Dann klopfte sie neben sich auf die Matratze. »Na komm schon!«
Er gab nach und ließ sie tun, was sie am besten konnte. Anschließend öffneten sie die eigene Flasche Sekt und badeten gemeinsam. Den Champagner wollten sie für später aufheben.
Gegen zehn fragte sich Martin, ob er sich gerade neu in Jackie verliebt hatte und dankte dem Alkohol. Alles weitere lief wie von selbst, und er war jetzt sicher ihr keinen schlechten Trip zu verschaffen, indem er ihr auf die Nase band, sie nicht mehr zu lieben.
»Also nach einer Mutter, die nie da ist, sieht das aber nicht aus«, stellte Jackie fest, als sie die Küchenschränke durchforstete. »Frisches Brot, Wasser…. Mensch! Sogar Eis!« Sie strahlte und nahm das Päckchen aus dem Kühlfach. »Amarena, meine Lieblingssorte!«
Er grinste gequält. »Das tut sie nur wegen dir«, erklärte er.
»Aber sie kennt mich doch gar nicht.«
»Darum eben!« Er hatte den Inhalt seines Rucksacks inzwischen dort bereitgelegt, wo er glaubte die Dinge zu brauchen und hielt nun das Glas mit den Kapseln hoch. »Kann’s los gehen?«
Jackie stellte das Eis auf den Küchentisch. »Klar!« bestätigte sie und machte sich daran, die Packung zu öffnen. Löffel fand sie auf Anhieb und während Martin die Kapseln abzählte, machte sie sich vergnügt über die Kirschleckerei her.
»Für jeden erst mal zehn«, überlegte er, »das sind ungefähr eineinhalb bis zwei Gramm, wenn die uns gut kommen, können wir jederzeit mehr nehmen.«
Sie nickte, nahm ihre Ration, warf sich immer eine Kapsel in den Mund und löffelte munter Eis hinterher.
Martin grinste und tat es ihr nach. »Die guten ins Köpfchen!«, scherzte er und fand es blöd, dass sie nicht verstand, was er meinte. »Is ja auch egal, rein damit!«
Als nach 45 Minuten bei beiden noch keine wirkliche Wirkung eingesetzt hatte, öffneten sie wieder das Glas. Martin disziplinierte sich und schob nur fünf hinterher, Jackie nahm gleich wieder zehn. Sie sei ja erfahren, meinte sie. Martin begann laut zu lachen, ein Zeichen, dass er doch etwas merkte, jetzt, wo er nicht mehr darauf wartete.
»Schokolade!« fiel ihm ein. Er nahm die Packung, riss sie auf, das Geräusch hallte in seinen Ohren und er lachte erneut.
»Was ist?«, fragte Jackie. Irgendwie war sie sauer.
Aber Martin lachte immer noch und nahm mehr von der Schokolade.
Danach wurde es immer besser. Für Martin.

***

weiter zu Teil 22; Sag mal, Lara auf Schwatz Katz

 

Sag mal, Lara als eBook auf NeobooksSag mal, Lara

eBook Roman von Jasmin Schneider

So kann es nicht weiter gehen! Der Mann, dessen Geliebte sie ist, will seine Frau nicht verlassen, die Hänseleien der Schüler und Kollegen werden immer dreister, und die Anzeige auf der Waage erreicht bald das Maximum. Wie soll Lara so jemals Mutter des kleinen Jonas werden? Ganz klar, es muss sich etwas verändern. Unwissentlich unterstützt durch einen Unbekannten, beginnt für Lara eine mörderische Diät.

Sag mal, Lara gibt es für Kindle, Tolino, das iPad und auf anderen Readern bei Amazon, im iTunes Store, auf Bücher.de, auf neobooks.

Um nichts zu verpassen, kannst du inzwischen den Newsletter abonnieren.

 

miau-trenner

[mc4wp_form]

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



  → Kommentare abonnieren