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Urlaub, Vegan

Kretisches Essen und die Sache mit dem Klo

Kretisches Essen

Die kretische Küche wird ohne Zweifel vom Olivenöl regiert. Es ist so ziemlich in, um und über allem zu finden, was man auf einen Teller tun kann. Ein ganz kleines bisschen kann man den Eindruck gewinnen, dass die Kretels statt Wasser einfach Olivenöl zum Kochen bringen und egal was darin garen.

Kretisches Essen

Zitronenduft

Die wachsähnlichen Blüten dieses Baums duften absolut lecker nach Zitrone! Hmmm!

Traditionell mag man hier – wie soll es auch anders sein – Lamm, Ziege und Fisch, aber auch eine Vielzahl an absolut frischen Gemüsen und Obst, nicht zu vergessen kretischen Käse und Omelettes. Willst du dich auf Kreta vegan ernähren, ist dein größtes Problem, dass die Griechen nicht einmal ein Wort für diese „sinnlose Diät“ haben, will heißen, das Konzept erst gar nicht verstehen. Wenn du sagst, du seist Vegetarier und allergisch gegen Milchprodukte wird dir gar nicht mal das Ei, sondern hocherfreut das Huhn angeboten, denn Huhn ist für Kreten kein „Meat“, es ist „Poultry“. Und wenn sie dann verstehen, dass du kein Tier isst, bieten sie dir, der dämlichen Touri-Trulla mit dem iPhone Übersetzer, auch gerne mal die Rosmarin-Schnecken an – *röchel*.

Entdeckt: Lemonokipos

kreta-vegan-menu

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch das Lemonokipos in Rethymnon, einem hübschen Städtchen auf Kreta mit einer fantastischen Altstadt.

Rethymnon

Sträßchen in Rethymnon auf Kreta

Das Lemonokipos führt eine spezielle Speisekarte für Vegetarier und Veganer (s.o.). Beim Bestellen wird denn auch ein großes Aufhebens darum gemacht, ob du nun Vegetarier oder Veganer bist, was natürlich erst mal Vertrauen schafft. Das reicht dann bis dein Brot kommt, zu dem traditionell getrocknete Tomaten, Oliven und „Flower of the Milk“ gebracht wird. Der Hinweis, dass das aber doch Butter sei, entlockt dem Kellner ein quietschiges Lachen. Nein, das sei doch aber keine Butter, das sei Flower of the Milk, ein speziell hergestelltes Blabla aus… ZIEGENMILCH. Na ja, kann ja mal passieren, ne? Okay, lassen wir das halt stehen. Aber als dann mit den Vorspeisen die „Flava“ (gelbe Bohnenpaste) auch noch mit Eigelb serviert wird, platzt mir dann schon mal die urbane Hutschnur.

Der Rest hingegen, also der tatsächlich vegane „Rest“, wie die gefüllten Tomaten und Zucchini, das Auberginenschnitzel etc. war sau lecker!

Olivenölseifen in Rethymnon, Kreta

Olivenölseifen in Rethymnon, Kreta

Not macht erfinderisch

Aber wir haben ja nicht ohne Grund eine Unterkunft mit Küche gebucht. Dank unseres mehr als großzügigen Hosts Clive stand Sojamilch bereits im Kühli, die auf Kreta ein kleines Vermögen, € 4,20 pro Liter, kostet. In den größeren Supermärkten abseits der Stadt bekommst du aber auch die typischen Alpro Produkte für durchschnittlich € 1 mehr als bei uns. Andere Anbieter, Bioläden, Tofu, Seitan oder gar Tempeh sind in Kreta böhmische Dörfer. Wir jedenfalls haben trotz größter Anstrengung niemanden gefunden, der wusste, was Tofu überhaupt sein soll. Kein Scherz, tut mir leid!

Kichererbsen Scramble

Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Und deshalb habe ich mein geliebtes Tofu Scramble eben nicht mit Tofu, sondern mit Kichererbsen gemacht, voll lecker!

Cretan Carob

Außerdem haben wir „Cretan Carob“, zu deutsch kretisches Johannisbrot, entdeckt und uns gleich einmal mit Nudeln, Cookies, Tee und Mehl eingedeckt. Johannisbrot wiederum ist in Kreta selbst weit günstiger als bei uns im Bioladen (oder auf deren Webseite), weil es lokal angebaut wird.

Carob-Pasta

Carob-Pasta mit Sojasahne ♥

Die dunkelbraune, schokoladig anmutende Carob Pasta haben wir dann auch gleich mal probiert. Schmeckt lecker, leicht süßlich mit etwas herzhafterem Nachgeschmack. Ich habe 2 Tüten mit nach Hause gebracht und werde demnächst auch dazu ein Rezept posten.

Carob-Pasta auf unserem Schattenbalkon

Carob-Pasta auf unserem Schattenbalkon

Fazit

Wer sich auf Kreta, in der buchstäblichen Wiege der Zivilisation, vegan ernähren möchte, braucht eine Unterkunft mit Küche und viel, ganz viel, Geduld.

OMG! Kreta und die Sache mit dem Klo

Und zum Schluss…

…noch die Sache mit dem Klo. In Kreta, wie auch ganz Griechenland (und China), darf man kein Toilettenpapier in die Toilette werfen, man muss es in einem Eimerchen entsorgen, aus dem einen nicht selten weder visuell noch olfaktorisch anregende Zeugen dieser Realität anlächeln. Diese Unart wird praktiziert, weil die Abwasserleitungen zu Verstopfung neigen. Ich führe das jetzt nicht weiter aus, aber ich habe Toiletten gesehen, wo der doppelt und dreifach angebrachte Hinweis ignoriert wurde…. Punkt.

Ich wünsche euch jetzt kein Kopfkino,
Jasmin & die Katz

P.S.  Kreta ist übrigens wirklich sehr schön, sollte sich beim Lesen meiner Artikel bei euch ein anderer Eindruck einschleichen, war das nicht meine Absicht!



Schwatz Katz

Folg der Katz

 

Bleib noch ein bisschen

10 Kommentare

  1. Also das mit den Toiletten….naja. Andere Länder, andere Sitten und so…:3
    Was genau an Taramas vegetarisch sein soll, verstehe ich nicht. Fischeier sind doch Fischeier? Auf die gleiche Diskussion bin ich aber auch schon beim Griechen um die Ecke gestoßen….
    Und die Sache mit der Ziegenmilch ist scheinbar gar nicht so unüblich. Erst gestern erzählte mir ein Freund von einer Begegnung aus dem örtlichen Reformhaus (!), in dem er für seine Schwiegermutter veganen Joghurt kaufen wollte (Alpro hatte er nicht auf dem Schirm, da er selber mit Vegetarisch/Vegan nichts am Hut hat). Die Dame wollte ihm auf jeden Fall auch Joghurt aus Ziegenmilch als vegan verkaufen. Immerhin an der Stelle ist er stutzig geworden….zeigt aber, wie viel Aufklärungsbedarf es noch gibt.

    • Jasmin Schneider

      LOL! Ja, über die Fischeier hab ich auch sehr gelacht. Und du hast recht, auch unser Berliner Grieche wollte sie mir schon als vegetarisch verkaufen.
      Die Sache mit dem Reformhaus und dem Ziegenmilchjoghurt geht aber auch so gar nicht, oder? Da fragt man sich doch wirklich, für was die Verkäuferin dort bezahlt wird. Tsss!

  2. Monica Tschanz sagt

    Hallo Jasmin, habe grade Deinen Reisebericht gelesen. Und mich gefreut, dass ihr Kreta-Carob entdeckt habt 🙂 das ist eine grossartige Sache, finde ich, dass diese Leute dieses tolle Lebensmittel wieder-entdecken und in Umlauf bringen 🙂 und ueber Deine sonstigen Erlebnisse und Beschreibungen denke ich, dass es doch vielleicht etwas Vorbereitung bedarf fuer einen veganen Urlaub – das soll jetzt aber keine Kritik sein! Die Menschen auf Kreta essen zu Hause sehr oft vgetarisch oder vegan, sie verwenden aber nicht diese Begriffe dafuer. Der Fleisch- oder Tierprodukte-Konsum beschraenkt sich oft auf spezielle Festtage oder auf auswaerts essen, was dann etwas spezielles sein soll. Dementsprechend werden in den Restaurants (Tavernen) oft diese speziellen Gerichte angeboten, die dem griechischen Verstaendnis von auswaerts essen gehen entsprechen. Dabei gibt es eine so sehr grosse Fuelle an veganen Gerichten! Um in den Genuss griechischen veganen Essens zu kommen braucht es etwas Sprachkenntnisse (was nicht einfach ist!)und etwas Abenteuerlust. In einer Stadt wie Rethymnon ist das nicht grade einfach. Auf dem Land, in den Bergen – wo vielleicht niemand etwas anderes wie Griechisch spricht – ist es kein Problem jederzeit ein veganes Menue zu bekommen. Darueberhinaus gibt es drei rein vegetarische Restaurants auf der Insel, die immer auch vegane Menues anbieten: to stachi in Chania, das Third Eye in Paleochora, und Ifigenia in Plakias (that’s me 😉 ) Das ist relativ enfach zu googeln. Und ich biete auch gerne eine ausgedruckte Liste resp. per e-mail an mit veganen kretisch-griechischen Vorspeisen und Menues in verschiedenen Sprachen, so dass sich die Gaestinnen und Gaeste auch ausserhalb meines Hauses wohlfuehlen und zurechtfinden ohne zuerst in ausgibiegister Art und Weise Griechisch lernen zu muessen. Mit einem herzlichen Gruss aus Kreta, Monica

    • Jasmin Schneider

      Hallo Monica,

      vielen Dank für deine informativen Kommentare. Schade, dass wir uns nicht früher gefunden haben, dann hätte ich dich mal schön ausfragen können 😉 Bestimmt hättest du einiges mehr beisteuern können als unser Host, der nicht so recht wusste, was er mit der Vegan-Info anfangen sollte außer die teuerste Sojamilch der Welt zu kaufen (und Mortadella, die haben dann die Katzen bekommen) – was ja auch wieder lieb von ihm war. LOL!

      Als veganer Urlauber bleibt einem in den meisten Ländern und Städten nicht viel mehr als Planung und eine Unterkunft mit Küche. Das Ifigenia zum Beispiel stand unbedingt auf unserer Liste, ebenso wie das 3rd Eye, ein Laden namens Vegera und das Lemonokopis mit seiner vegan/vegetarischen Speisekarte (inkl. Tamares… LOL). Was wir allerdings total unterschätzt haben, sind die Fahrzeiten und die Temperaturen. Rethymnon war das weiteste, was wir in der Hitze geschafft haben (unser Leihwagen hatte keine AirCon, hechel). Am nächsten Tag haben wir überlegt, nach Plakias zu kommen (so schade, dass wir das nicht gemacht haben!), haben aber dann entschieden, Carob Pasta zu machen – das war auch lecker!

      Und was ich nur bestätigen kann ist, dass es in den ländlicheren Regionen viel einfacher war mit unserem iPhone-Übersetzer an tolle Speisen zu kommen. Ach, wir haben so knuffige Orte entdeckt, z.B. ein Hügeldörfchen namens Ameriano, ein Traum! Und auf dem Weg dahin, eine Taverna, in der 3 Generationen Frauen uns vegan bekocht haben… Mensch, das war herrlich! Heraklion dagegen ist essenstechnisch eine echte Katastrophe. Erst am allerletzten Abend haben wir ein Restaurant entdeckt, ganz abseits und wenig besucht, wo es die tollsten veganen Köstlichkeiten gab, die denn auch nicht im gleichen Pott und Fett wie zuvor das Fleisch zubereitet wurden. Hmmm… diese Auberginenchips sind ja wohl der Knaller! Ich hätte sie gerne mit nach Hause genommen!

      Das nächste Mal buchen wir was im Süden von Kreta. Ich hab schon gehört, da soll es sowieso viel schöner sein als oben in der Nähe vom Flughafen! Und dann kommen wir definitiv ins Ifigenia.

      Schöne Grüße aus Berlin und genieße die Sonne,
      Jasmin

    • Ella sagt

      Huhi, toll der Bericht. Die Liste hätte ich auch sehr gerne – in einer Woche geht es nach Kreta. Tipps und Tricks werden dringend gesucht 😉 liebe grüße

  3. Monica Tschanz sagt

    Oh ja, und jetzt hab ich ganz vergessen die Sache mit dem Klo: wie ich aus verschiedenen Quellen (ich bin urspruenglich aus der Schweiz)erfahren habe ist das eine ganz tolle Sache mit dem Klopapier in Eimer werfen und nicht ins Klo: das enthebt die Klaeranlagen eines extrem grossen Anteils ihrer Aufgabe, schont damit Kosten und behebt die Umwelt eines ihrer Probleme. Oder anders gesagt: viele Fachleute (in der Schweiz oder anderswo) waeren sehr gluecklich wenn sowas auch bei uns durchgesetzt werden koennte, nicht wegen der Leitungen, sondern wegen des enormen Potentials an nicht durch Klaeranlagen zu verarbeitenden Materials. 🙂

  4. chris sagt

    Habe Deinen Bericht erheitert zur Kenntnis genommen. Reisen bedeutet ja im Regelfall sich auf landestypische Sitten, Gebräuche und eben auch Essen einzustellen und nicht umgekehrt. Ich wünsche den Kretern noch lange relativ veganfreie Zeiten und die Gelassenheit, die sie seit jeher auszeichnet.

  5. Viola sagt

    Tolle Tips hier…vielen Dank, ich und mein Liebster fliegen auch in 11 Tagen nach Kreta, leider haben wir keine Unterkunft mit Küche. Ich denke, es wird dann hauptsächlich frisches Obst und Gemüse vertilgt. Einen kleinen Mixer werden wir auch mitnehmen und uns dann des öfteren von Smoothies ernähren. Ach und Pommes gehen ja auch noch 😉
    Darf man denn Lebensmittel wie Brot und andere vegane Dinge einführen? Damit man wenigstens eine kleine Überlebens-Grundlage dabei hat? 😉
    Freue mich auf Antworten!

    Liebe Grüße
    Viola

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